Eine kurze Geschichte über das Begehren

Letztens las ich eine Geschichte von einem Klavierspieler. Nach seinem Konzert kam eine Frau zu ihm und sagte: „Sie spielen so wunderbar! Wie gern will auch ich so gut Klavier spielen können!“.

Der Klavierspieler hörte das nicht zum ersten Mal. Seine Antwort fiel höflich aus, jedoch treffend und ohne Umschweif: „Danke. Doch ich denke nicht, dass Sie wirklich selbst spielen wollen. Denken Sie an all die Stunden, Tage, Monate und Jahre der Übung. Nein, wenn Sie es wirklich wollten, würden Sie es lernen.“

Und genau so ist es.

Hin und wieder kommt es vor, dass ich jemanden sehe, wie er etwas so perfekt beherrscht, dass es mich fasziniert. Der erste Impuls ist dabei manchmal der „Das will ich auch!“-Gedanke. Und dann verliere ich mich vielleicht in Vorstellungen, wie es wäre, wenn ich dies und das genauso gut könnte.

Bei genauerem Hinsehen blende ich in diesem Moment einen ganzen Haufen Dinge aus, und ich habe keine Vorstellung…
…wie viel Zeit jemand investiert hat in sich und seine Fähigkeiten.
…wie oft er gescheitert ist und von Neuem begonnen hat.
…wie viele Gefühle von Frust er dabei erlebt hat.
…wie viel Kraft er benötigt hat, um so gut zu werden.
…welche Opfer er alles dafür gebracht hat.

Was man in diesem Moment wirklich will, ist nur das Ergebnis. All diese Entbehrungen, welche der andere dafür erlebt hat, diese will man nicht. Ja, daran denkt man in diesem Moment gar nicht erst.

Man will den Erfolg, die Fähigkeiten, die Bewunderung der anderen…nicht die Arbeit, die Zeitinvestition und den Frust.

Doch es gibt ein grundlegendes Prinzip: Ohne Investition kein Ergebnis. Die Investition ist im Grunde nichts anderes als Energie und Zeit. Die Energie kann dabei viele Formen haben, so zum Beispiel körperliche Arbeit oder Geld.

Wenn du das nächste Mal also merkst, dass du etwas „willst“, dann überlege dir genau, was realistisch gesehen alles zu dem gehört, was du willst. Wenn du auch alle Entbehrungen, alle negativen Seiten wirklich akzeptieren kannst…ja, dann kannst du sagen, dass du es wirklich willst – und zwar das ganze Ding, nicht nur das Ergebnis.

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